Managementsysteme

Früher hieß es „Eltern“, heute „Familienmanager“ – Warum Begriffe nicht nur Worthülsen sind

Man kann über die Änderung von Bezeichnungen sicherlich lächeln, aber es gibt auch einen Grund dafür. Mit dem Begriff managen wird deutlich, dass es nicht mehr ausreicht - wie früher - seinem Kind das Fahrradfahren zu erlauben, sondern dass Eltern heute darauf achten müssen, dass das Kind einen Fahrradführerschein hat, Schutzkleidung trägt und natürlich muss das Rad in einem verkehrstüchtigen Zustand sein. Ohne Planung (was sind die Voraussetzungen?), ohne Umsetzung (sind alle Voraussetzungen aktiv herbeigeführt worden?), ohne Kontrolle (ist das Fahrrad mängelfrei?) und ohne Steuerung („warte, ich muss erst den Sattel auf deine Größe anpassen!“) geht es nicht mehr. Jetzt fehlt nur noch der dokumentierte Nachweis (Report), dass die Aufgabe fehlerfrei und ohne Fahrlässigkeit erfüllt wurde. Bei Eltern, die es sicherlich nicht unter diesen Begriffen verstehen, ist es Verantwortung. Im normativen Managementsystem ist es der PDCA-Zyklus (Plan Do Controll Act).

Der Eltern-Kind-Vergleich ist bewusst gewählt. Früher waren es „unternehmerische Fähigkeiten“, heute geht es zunehmend um „Managementfähigkeiten“. Letzteres schließt Ersteres nicht aus, bezieht sich jedoch auf die Kunst, insbesondere extern aufgebürdete Verantwortung für Viele zu tragen und dabei alles richtig zu machen.

Markt- und Umfeldentwicklungen führen dazu, dass die Anforderungen und die Belastung an Einzelne zunehmend steigen. Die Folgen sind häufig Überlastungsstress, Überforderung bis zum Extremfall „Strafe“ bei schwerwiegenden Vorfällen und letztlich Demotivation.

Sollen und wollen Menschen, die Verantwortung übernehmen, wirklich „mit einem Bein im Gefängnis stehen“? Verantwortliche haben selten eine Lobby, aber immer viele Ankläger. Managementsysteme sind keine alleinige Lösung, aktiv praktiziert stellen sie jedoch eine erhebliche Hilfe und Entlastung dar.